QUEER
IN DER PROVINZ
Das Leben des Silberschmieds Frederik Ernst (1892–1976) als Homosexueller in der Provinz bildet den konkreten historischen Hintergrund für das Forschungsprojekt „Queer in der Provinz“, das untersuchen wird, wie queere Praktiken in ihren geografischen, historisch spezifischen Kontexten ausgeübt und verstanden wurden. Das Ziel des Projekts besteht zum einen in der Untersuchung des ultralokalen Fallbeispiels Frederik Ernst, der anhand seiner Briefsammlung die kulturellen Vorstellungen von männlichen homosozialen Beziehungen im Zeitraum 1930–1950 beleuchtet, und zum anderen in einer Erweiterung des Forschungsfelds der Queer-Geschichte, die neue Erkenntnisse über queere Praktiken in der Provinz generiert. Das Gesamtprojekt mündet in ein Buch mit Beiträgen einer Vielzahl von führenden Forschern auf diesem Gebiet.


„Queer in der Provinz“wird der erste größere Beitrag sein, der die analytische Schnittstelle zwischenQueerundProvinzin den Vordergrund rückt. Bislang wurde die dänische Queer-Geschichte nämlich ausgehend von der Großstadt erforscht. Das Projekt wird daher neue Erkenntnisse über einen Teil der dänischen Geschichte liefern, über den wir bisher nur sehr wenig wissen, nämlich über queere Praktiken in der Provinz.
Queere Geschichte aus der Provinz – eine neue queere Karte von Dänemark
Die Geschichte ist bekannt: Wenn man queer ist und in der Provinz aufgewachsen ist, muss man in die Großstadt ziehen, um frei und authentisch leben zu können. Deshalb ist Kopenhagen seit Jahrzehnten der Dreh- und Angelpunkt sowohl der LGBT-Geschichte als auch der LGBT-Forschung. Aber was, wenn diese Geschichte nur einen Teil der Wahrheit widerspiegelt?
„Queer in der Provinz“ richtet den Blick weg von der Großstadt und richtet ihn stattdessen auf Kleinstädte, Dörfer und lokale Gemeinschaften im ganzen Land. Hier haben sich queere Liebe, Begierde und Geschlechtergrenzen auf andere Weise – und in anderen Rhythmen – entfaltet als in der Hauptstadt.
Das Buch wurde von elf führenden Wissenschaftlern mit unterschiedlichen fachlichen Perspektiven verfasst. Die Kapitel befassen sich mit queerer Geschlechtsidentität, queerer Literatur, queeren Gemeinschaften und queeren Aktivismus und erstrecken sich zeitlich von etwa 1700 bis in die Gegenwart.
Anhand historischer Quellen wie Tagebücher, Briefe, Romane und Memoiren bringt „Queer in der Provinz“ bisher übersehene queere Lebenswege ans Licht. Der Leser begegnet Menschen, die in verschiedenen Epochen und Regionen des Landes ein queeres Leben geführt haben – manche im Verborgenen, andere in demonstrativer Offenheit. Zusammengenommen zeigen die Erzählungen, wie die dänische Provinz sowohl Grenzen gesetzt als auch Möglichkeiten für eine queere Existenz geschaffen hat.
„Queer in der Provinz“ zeichnet somit eine neue Queer-Landkarte Dänemarks. Es ist ein Buch über Sichtbarkeit, Ort und Zugehörigkeit – und über alles, was westlich von Valby Bakke geschehen ist.

Queer in der Provinz
Herausgegeben von Tea Dahl Christensen und Peter Edelberg
ISBN 978 87 7597 4788 320
320 Seiten
Preis 349,95 kr.
Erscheint am 31. Januar 2026
Das Projekt wird vom Kulturministerium und der Dansk Tennis Fond unterstützt.
Das Buch erscheint im Januar 2026 im Verlag der Universität Aarhus.
Kontakt: Museumsdirektorin Dr. Tea Dahl Christensen, tdc@museumvestfyn.dk, Tel.: 24801548


